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Newsmeldung

23.02.2021

Rassismussensible Begleitung von (jungen) Geflüchteten

von Felicitas-Morgaine Keller

Ausschnitt vom Cover des Buchs
Bild: © Vandenhoeck & Ruprecht

Welche Rolle spielt Rassismus als mal mehr, mal weniger subtiles Phänomen in den Unterstützungsstrukturen für geflüchtete Menschen? Eben Louw und Katja Schwabe widmen sich der Frage in ihrem aktuell erschienenen Band „Rassismussensible Beratung und Therapie von Geflüchteten“ und zeigen Interventions- und Handlungsmöglichkeiten auf.

„Wir und die anderen“

„Es steht außer Zweifel“, so die Autor_innen, „dass Rassismus längst kein Randphänomen, sondern gesellschaftlich verankert ist“. Unter Rassismus verstehen sie „eine Konstruktion von „‚wir‘ und ‚die anderen‘ wobei ‚die anderen‘ abgewertet werden“. Um sich diesem Phänomen im Unterstützungskontext von geflüchteten Menschen anzunähern, liegt ihrem Band die kritische Weißseinsforschung (Critical Whiteness) zugrunde. Eingehend auf die aktuell und öffentlich geführte Debatte um diesen Ansatz werden „Schwarz“ (mit großgeschrieben S) und „weiß“ (in kursiver Schreibweise kleingeschreiben) als konstruierte und gesellschaftspolitische Kategorien diskutiert. Das Ziel dieser Kategorisierung ist es, bestehende Macht- und Dominanzstrukturen – zum Beispiel die Machtverhältnisse in der Arbeit mit geflüchteten Menschen – transparent und besprechbar zu machen.

Benennung und Selbstreflexion des Problems

Rassismus offenzulegen und sich in dieser Hinsicht kontinuierlich selbst zu reflektieren, stellt den roten Handlungsfaden des Buches dar. Denn Rassismus in die rechtsextreme Ecke zu schieben, verkennt das Problem und die eigene Verantwortung und Involvierung, so Louw und Schwabe. Dank des jahrzehntelangen Engagements antirassistischer Wissenschaftler_innen und Aktivist_innen wurden strukturelle sowie institutionelle Rassismen offengelegt, subtile und weniger subtile Alltagsrassismen sowie Mikroaggressionen benannt.

An erster und zentraler Stelle einer rassismussensiblen Arbeit sehen die Autor_innen die „kritische Selbstreflexion über die eigene Rolle und die eigene Position“ in der Beziehung zu jungen Geflüchteten. Asymmetrische Machtverhältnisse in Hilfe- und Unterstützungssystemen und deren Auswirkungen zu hinterfragen und zu reflektieren gehört zu der größten Herausforderung, denn „weiße Privilegien sind schwer anzusprechen, weil die meisten Menschen sich nicht privilegiert fühlen“. So lautet die zentrale Frage: „Inwiefern berücksichtige und reflektiere ich die Auswirkung von Machtverhältnissen, Privilegien und Differenzen in meiner Arbeit mit Rassismusbetroffenen und/oder geflüchteten Menschen?“

Handlungsoptionen

Im Kapitel „Handlungsmöglichkeiten für eine rassismussensible Begleitung von jungen Geflüchteten“ werden Reflexionsebenen sowie rassismussensible Handlungsoptionen aufgezeigt. Konkrete Beispiele, die von den Autor_innen genannt werden, sind „Empowerment“-Workshops durchgeführt von Menschen, die von Rassismus betroffen sind  (BIPoC[1]), sowie das Einrichten von „Safe Spaces“ und das Etablieren von Beschwerdestellen im Betrieb oder im Projekt.

Der Spagat, der bei rassismussensibler Arbeit gemacht werden muss, so das Buch, ist, geflüchtete Menschen als Individuen mit einzigartigen Biografien zu begreifen und zugleich anzuerkennen, dass diese aufgrund einiger Merkmale (meist von außen zugeschrieben) besonders vulnerabel für (re-)traumatisierende rassistische Erfahrungen sind. Rassismuskritisches Arbeiten bedeutet ebenso, sich der eigenen Macht als weiße Person bewusst zu sein, diese positiv zu nutzen und im gleichen Zug die Bereitschaft zu zeigen, sowohl Macht als auch Ressourcen zu teilen.

Durch die unterschiedlichen Blickwinkel der Autor_innen als Schwarze und weiße Person wird Platz geschaffen für diverse Perspektiven und Identifikationsmöglichkeiten. Die beiden stecken nicht nur den Finger in die Wunde, sondern sie ermöglichen zugleich eine offene Debatte frei von Schuldzuweisungen – wenn auch mit klaren Forderungen. Auch ARRIVO BERLIN verschließt keinesfalls die Augen, sondern öffnet sich den aktuellen Diskursen. Veranstaltungen wie „Rassismus am Arbeitsplatz“ des ARRIVO BERLIN Servicebüros zeugen von der Offenheit und Reflexionsfähigkeit, für die der Projetverbund steht.


Literaturhinweis:

Louw, Eben / Schwabe, Katja (2020): Rassismussensible Beratung und Therapie von geflüchteten Menschen. Handlungs- und Interventionsmöglichkeiten. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht. Link: https://www.vandenhoeck-ruprecht-verlage.com/detail/index/sArticle/55709/sCategory/1812 (abgerufen am 23.02.2021)


[1] Die Abkürzung BIPoC steht für Black, Indigenous, People of Color. All diese Begriffe sind Selbstbezeichnungen.

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